Logbuch von Saholy Rakoto-Nanahary
(Englisch-Lehrerin)

Weihnachts- und Silvesterreise nach Brasilien
Max 146 vom 19.12.2004 - 07.01.2005
Von Bremerhaven nach Rio de Janeiro/Brasilien

 

Sonntag, 19.12.2004

Um 18:00 beginnt unsere die 3 wöchige Weihnachts- und Silvester Kreuzfahrt auf der Maxim Gorki von Bremerhaven nach Rio de Janeiro mit Stopps in Vigo (Spanien) Lissabon, Kap Verden, und verschiedene Häfen ins Brasilien. Abends, kurz nach dem Abendessen in einem der schönen Restaurants ist das Meer sehr unruhig, so unruhig, dass wir glauben, es nur bis zum ersten Hafen aushalten zu können. Später heißt es, dass dieser Wellengang harmlos sei (Seestärke 5). Wir müssen uns erst einmal daran gewöhnen.

 

Montag, 20.12.2004 Seetag

Der erste Seetag auf der Maxim Gorki. Das Tages- und Abendprogramm, welches immer eine Abend vorher auf die Kabinen verteilt wird, ist vielfältig und am Nachmittag finden sich die Tages- und Abendkünstler zusammen um die Termine zu koordinieren. Ich werde an den Seetagen Englisch für Anfänger und Fortgeschrittene unterrichten, Yves wird den PC Kurs leiten. U.a. sind bei den Tageskünstlern auch eine Malerin, ein Bordgeistlicher und eine ältere Dame dabei die einen Vortrag über „Gesichtsausdruckslehre“ hält. Abends, bei der ersten Galaveranstaltung, werden alle Künstler und deren Programm im Musiksalon vorgestellt. Diejenigen, die in den Kabinen bleiben können sich die Show im TV anschauen. Danach wird Allen die Möglichkeit geboten entweder zu einer Live Band in der Russia Lounge oder zur Disco-Musik des DJs im Captains Club das Tanzbein zu schwingen.

 

Dienstag, 21.12.2004 Seetag

Mein erster Unterrichtstag – mir ist schlecht, weil das Schiff immer noch stark mit den Wellen schaukelt. Eine seeerprobte Teilnehmerin rät mir, einfach nicht daran zu denken und so zu tun als sei nichts. Also konzentriere ich mich auf meinen Unterricht -  und es hilft, ich vergesse die Übelkeit. Dies sicherlich auch Dank der sehr engagierten und interessierten „Schüler“. Den Großteil des Tages verbringen wir in der Kabine – essen können wir auch nichts.

 

Mittwoch, 2212.2004 Vigo (Spanien)

Endlich wird es wärmer und bei unserem Landgang in Vigo brauchen wir die dicken Winterjacken nicht mit zu nehmen. Die  Hafenstadt Vigo, die größte Stadt Galliziens, ist sehr schön, mit einer hoch gelegenen Burg mit Park wo man sich ein wenig sonnen kann und einen schönen Blick auf die Stadt hat (Fußballfreunde kennen die Stadt durch ihren Verein (Celta de Vigo). Dies entschädigt für den vorangegangen Tag.

 

Donnerstag, 2312,.2004 Lissabon

Endlich in Lissabon – für mich, nach Rio, eines der Highlights und wir werden nicht enttäuscht. Lissabon ist eine sehr schöne Stadt, Wir fahren vom Hafen aus 2 Stationen mit der Straßenbahn und sind direkt im Zentrum. Von hier aus machen wir einen Stadtrundgang, u. a. auch in das sog. Armenviertel Lissabons, der Alfama, die allerdings aus pittoresken kleinen Gassen besteht, in denen es sehr ruhig und beschaulich zu geht. Leider haben wir nur 4 Stunden Zeit und ich nehme mir fest vor noch mal wieder zu kommen.

 

Freitag, 24.12.2004

Heiligabend

Weihnachten auf der Maxim Gorki – es gibt zum ersten Mal einen kleinen Weihnachtsmarkt an  Bord mit kleinen Weihnachtsbasteleien, Glühwein und Waffeln. Der Erlös kommt einem karitativen Zweck zu Gute. Auch eine Christmette findet statt. Nach dem Abendessen verteilt der schlagfertige Weihnachtsmann alias Fiete Münzner bei der Weihnachtsgala die Geschenke, die die Passagiere zuvor für ihre Lieben abgeben konnten. Im Kino läuft „Eine Weihnachtsgeschichte“ von Charles Dickens und als Mitternachtssnack (den es übrigens jede Nacht gibt) werden „Süßigkeiten im Schlafrock“ gereicht. Die Stimmung an Bord ist schon besinnlich, alles ist weihnachtlich dekoriert etc. trotzdem habe ich Heimweh.

 

Samstag, 25.12.2004 Las Palmas (Gran Canaria)

1. Weihnachtsfeiertag

In Las Palmas ist es warm aber sehr windig. Wir gehen am Strand spazieren und sonnen uns; um baden zu gehen ist es doch zu kalt. Leider sind alle Geschäfte geschlossen. Abends stehen in den schöne geschmückten Restaurants an Bord verschiedene, traditionelle Weihnachtsmenüs zur Auswahl.

 

Sonntag, 26.12.2004 Seetag

Ich habe beschlossen mich sportlich zu betätigen und nehme am Fatburner Aerobic Kurs teil. Die Bewegung tut gut. Am Nachmittag lasse ich mich an Kopf, Nacken und Schultern massieren („Frangi-Pani Massage“). Ansonsten hat man viel Zeit zu lesen  oder an einem der anderen Kurse teil zu nehmen.

 

Montag, 27.12.2004 Seetag

Auch an diesem Morgen nehme ich an einem Aerobic Kurs teil, da die Pfunde, die man Gefahr läuft zu zu nehmen, schnell wieder abtrainiert werden müssen. An Bord gibt es 5 verschiedene Mahlzeiten: Frühstück, Mittag, Kaffe&Kuchen, Abendessen und Mitternachtssnack (letzteres kann dann auch mal Lasagne sein, und das um 23:00).

 

Dienstag, 28.12.2004 Kap Verden

Nun ist es noch wärmer geworden – die Kap Verden kann man mit T-Shirt ohne Jacke betreten. Alles sieht sehr afrikanisch aus, auch die Bevölkerung, aber man spricht Portugiesisch. Wir laufen hoch auf ein bzw. „Plateau“, dem Zentrum der Stadt, wo es auch einen typisch afrikanischen Markt gibt. Mit dem Taxi fahren wir noch ans Meer. Leider ist die Zeit zu knapp und wir müssen zurück an Bord, wo abends ein üppiges traumhaft hergerichtetes Gala-Buffet statt findet, das man vorher fotografieren darf.

 

 

Mittwoch, 29.12.2004 Seetag

Ich unterhalte mich mit verschiedenen Passagieren, die anders als wir, nicht nach der ersten Etappe in Rio von Bord gehen, sondern die ganze Weltumseglung mit machen. Das bedeutet 139 Tage an Bord. Einige haben eine „normale“ Kabine gebucht, andere eine Suite, wieder andere eine Suite und eine Kabine, in der sie für die Dauer der Reise ihr Gepäck unterbringen. Es gibt auch viele, die die Weltumseglung schon zum 13. oder 14. Mal mit machen. Eine Passagierin erzählt., dass sie am liebsten auf dem Schiff leben würde. Verständlich – man wird umsorgt, muss sich um nichts kümmern und man sieht viel von der Welt.

 

Donnerstag, 30.12.2004 Seetag

Das Programm ein Tag vor Silvester ist wie immer vielfältig: wie erstelle ich eine festliche Tafeldekoration, eine ökumenische Morgenandacht etc. Abends lässt das Ensemble „Das schiefe Podium“ die 20-30er  Jahre noch mal aufleben: Lieder mit „Berliner Schnauze“ authentisch vorgetragen von Barbara Stoll und dem Chef des Ensembles H.-J. Ballmann.

 

Freitag, 31.12.2004 Silvester

Ein Silvester ohne Feuerwerk mitten auf See. Wir stoßen 2x an, ein Mal auf die Daheimgebliebenen um 20:00 und dann „richtig“ um Mitternacht. Um 20:00 sind wir gerührt und sicher, dass unsere Lieben zu Hause an uns denken.

An der Außenbar ist um Mitternacht nichts los, alle sind drin in den Bars um das neue Jahr zu begrüßen. Hier an Deck sorgt eine One-Man-Show für ein wenig Stimmung. Im Captians´s Club dürfen diesmal auch die Angestellten und die Besatzung mit feiern. Sie feiern ausgelassen, denn sie haben es sich weiß Gott verdient.

 

Samstag, 01.01.2005 Recife

Der erste Halt in einer der größten Touristenstädte Brasiliens und es ist richtig warm. Da Neujahr ist, ist alles geschlossen und leider sieht der Stadtstrand von Recife aus wie eine Müllhalde. Auch hier hat man unverkennbar Silvester gefeiert und es liegen auch noch Leute aus dem letzten Jahr am Strand rum. Juwelier „Stern“, der 2 Verkäufer mit an Bord geschickt hat, stellt einen Shuttle Service zu einem 4 Sterne Hotel direkt am Strand für diejenigen zur Verfügung, die keinen Ausflug gebucht haben. Nach einem Spaziergang am Strand nutzen wir die Gelegenheit und erfrischen uns im Hotelpool.

 

Sonntag, 02.01.2005 Marceió

Diesmal setzen wir mit einem Tenderboot nach Marceió über. Der Stadtstrand ist ca. 20 Min. Fußweg vom Hafen entfernt, aber diesmal ist er schön sauber und es herrscht Leben am Strand. Die Brasilianer essen zu Mittag, spielen Volleyball (allerdings nur mit dem Kopf und den Füßen) und hören laute Musik und das erste Mal kommt so eine Art „Brazil Feeling“ auf – so, wie man sich das schon immer vorgestellt hat. Das Meer ist angenehm, schon fast warm und man kann sich gemütlich an den Strand setzen und das Treiben beobachten. Um 12:00 müssen wir schon wieder zurück, aber es hat sich gelohnt.

 

Montag, 03.01.2005 Salvador de Bahia

Die „schwarze Stadt“ Brasiliens. Vor hunderten vor Jahren florierte hier der Sklavenhandel. Ich mache zum ersten Mal eine Führung mit, um etwas mehr über die Geschichte der Stadt zu erfahren.  Es ist die Stadt der 365 Kirchen – für jedes Jahr eine sagen die Brasilianer. Das Stadtbild ist mit nichts zu vergleichen, es ist nicht europäisch, nicht afrikanisch, einfach brasilianisch.

 

 

Dienstag, 04.01.2005 Puerto Seguro

In diesem sehr touristisch ausgerichteten  Ort fand die allererste Messe Brasiliens statt. Wir werden zur Altstadt, in der die Kirche, in der der Gottesdienst statt fand geführt. Vorher schauen wir uns eine Capoeira Show an, eine Mischung aus Kampf und Tanz. Danach geht es in ein Indianerreservat, in dem wir uns die Verkaufsständer der Indianer, nicht das Reservat selbst, anschauen können. Leider war die Zeit sehr knapp und es kam ein starker Regenschauer hernieder und alles war nass und matschig. Alle wollten schnell zurück aufs Schiff. Die Rückfahrt  auf dem Tenderboot 20 Minuten wurde für einige dann auch noch zur Tortur, weil es extrem stark schaukelte. Bei der abendlichen Abschiedsgala wurden dann alle Künstler verabschiedet, das sie das Schiff am 7.1. verlassen sollten.

 

Mittwoch, 05.01.2005 Seetag

Ein letzter Seetag und wir steuern auf Rio de Janeiro zu. Von weitem kann man schon die Lichter der Stadt sehen und bald sieht man auch den Strand, die Copacabana. Man erkennt auch die Umrisse des „Zuckerhutes“ dem Pao de Azucar. Das Panorama Rios sieht fantastisch aus und wir nehmen uns vor, direkt an Land zu gehen. Leider aber dauert es mit den Formalitäten länger als erwartet und wir schlafen in der Kabine, während wir auf die Durchsage für den Landgang warten, ein.

 

Donnerstag, 06.01.2005

Endlich können wir an Land – auch diesmal wieder mit dem Shuttle Service von Stern, und diesmal wird uns sogar ein eigener, deutschsprachiger Guide an die Seite gestellt. Ein brasilianischer Deutschstudent. Man fährt uns mit einem schwarzen Mercedes hoch auf den „Corcovado“ zur Erlöserstatue und Stern übernimmt sogar den Eintritt. Mit einer kleinen Straßenbahn geht es hoch, links und rechts tropischer Wald und es duftet frisch. Oben an der Statue ist es natürlich rappelvoll, doch das ist egal, denn die Aussicht ist klasse – man sieht ganz Rio von oben, ein bisschen wie Vogelperspektive. Danach fahren wir zur Juwelierwerkstatt von Stern, wo ich mir einen schönen Ring mit einem blauen Topas kaufe. Er war nicht sehr teuer und darüber zeigt sich die Verkäuferin äußerst pikiert.

Den ganzen Nachmittag laufen wir durch Rio, entlang der Copacabana, Ipanema, durch die Stadt und abends besuchen wir eine Samba Show inckl. Abendessen, jedoch nicht gebucht sondern sozusagen selbst organisiert, da uns ein paar Mädels einen Flyer in die Hand gedrückt hatten mit verschiedenen Show Angeboten. Ein gelungener und toller Abend in Rio.

 

Freitag, 07.01.2005 Rio de Janeiro

Wir haben noch Zeit bis 15:00 uns die Stadt anzuschauen und laufen bei glühender Hitze noch mal durch das Zentrum, trotzdem lohnt es sich. Wir gehen auch in den Stadtpark, wo es von Katzen und Tieren wimmelt, die wir nicht kennen, eine Mischung aus Ratte und Eichhörnchen. Beide werden gefüttert (überall liegen Katzenfutterhäufchen) und scheinen ruhig nebeneinander her zu leben.

Um 16:00 geht es dann zum Flughafen und zurück ins kalte Deutschland. Eine tolle Reise geht zu Ende.

 

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